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Archiv
22.03.2015
Der „Schramberger Bildungsgipfel“ mit Volker Schebesta:
CDU Schramberg setzt Reihe „Schramberg im Umbruch – Zukunft gestalten fort“
Die Bildungspolitik ist ein wichtiger Standortfaktor und  Grundlage für eine weiter leistungsfähige und starke Entwicklung der Industrie und des Handwerks in Schramberg. So war es folgerichtig, dass die CDU Schramberg innerhalb ihrer Reihe „Schramberg im Wandel – Zukunft gestalten“ den gesamten Bereich der Bildung thematisierte nahm und dabei besonders die berufliche Bildung unter die Lupe nahm.
Genau so bot es sich an, die Veranstaltung in den Räumen der Firma MS-Schramberg Magnetfabrik auf dem Lienberg durchzuführen: dem Unternehmen, das mit seinen derzeit exakt 508 Mitarbeitern 50000 kundenspezifische Artikel herstellt und am alleinigen Standort Schramberg darauf angewiesen ist, guten und qualifizierten Nachwuchs zu generieren. So Geschäftsführer Heimo Hübner, der bei dem „hohen technischen Niveau unserer Erzeugnisse und fast ausschussfreiem Produzieren“ genauso neugierig war auf den Vortrag des Bildungsexperten der CDU-Landtagsfraktion und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, Volker Schebesta wie die anwesenden Lehrer, Eltern und Kommunalpolitiker. 
Auf dem Hintergrund der in den vergangenen Jahren bereits veränderten bildungspolitischen Landschaft in Schramberg (mit ausdrücklicher Würdigung der in der Talstadt vollzogenen Bildung der Gemeinschaftsschule als Verbundschule) entwarf der 43-jährige Landtagsabgeordnete aus Offenburg das Szenario für eine Schulpolitik nach einem möglichen Regierungswechsel bei der nächsten Landtagswahl, das alle die aufhorchen ließ, die  wiederum eine abrupte Veränderung in der Bildungslandschaft befürchten: „Wir werden die Gemeinschaftsschule nicht abschaffen,“ erklärte Schebesta, „sondern in einer veränderten Form bestehen lassen und weiterentwickeln.“ Die „ideologisch motivierte Vorschrift“, nur heterogene Lerngruppen zuzulassen wird wohl fallen, auch die „Wohlfühlkomponenten“ wie Abschaffung des Sitzenbleibens und der Verzicht auf Noten in der Abschlussklasse stehen auf dem Prüfstand. „Ich weiß nicht, ob es gut ist, die Schüler in Watte zu verpacken. Irgendwann rächt es sich.“

Behutsame Weiterentwicklung, Korrekturen, wo nötig und vor allem: „Wir wollen entsprechend der unterschiedlichen Begabungen der Schüler Vielfalt zulassen, viele verschiedene Wege ermöglichen.“

Nicht nur der Ort dieses „Schramberger Bildungsgipfels“ (so MS-Geschäftsführer Heimo Hübner), sondern auch die Anwesenheit der Schulleiter der beruflichen Schulen auf dem Sulgen, Jörg Wiesemann und Hans-Jürgen Ohlmann, dazu gesellte sich als quasi Überraschungsgast Schulleiter Axel Rombach von der Rottweiler Nell-Breuning-Schule, legten den Fokus der Diskussion auf die berufliche Bildung und die von vielen Seiten geforderte Erkenntnis, dass man wegkommen müsse, die akademische Ausbildung zu präferieren. Ganz im Gegenteil: Die duale Ausbildung in Industrie oder Handwerk bringe häufig auch finanziell den besseren Erfolg als dies bei einem Studium der Fall ist. Dazu hielt Andreas Bitzer als Ausbildungsleiter von Kern-Liebers einen flammenden Appell genau für dieses System, „für das uns alle anderen Länder beneiden.“ Nicht zu beneiden sind jedoch die Schulleiter der Sulgener beruflichen Schulen: Sie beschrieben beredt die jährliche Zitterpartie, wenn es darum geht, auf die Klassenstärken von 16 Schülern zu kommen. Die grün-rote Landesregierung ist stur, beharrt auf der Zahl. Volker Schebesta machte klar und war sich einig mit allen Beteiligten: „Wenn die Berufsschüler zu weit wegfahren müssen, um ihre Ausbildungsschule zu erreichen, wird’s schwierig bis unmöglich.“ Die Folgen sind absehbar. Deshalb: Kleinklassen zulassen – alles andere wäre zum Schaden für den ländlichen Raum.

Bleibt auf der Wunschliste der Sulgener Berufsschulen die Errichtung eines Wirtschaftsgymnasiums, „dann wäre unsere Palette vollständig.“ Verhalten optimistisch konnte Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel zu diesem Ansinnen mitteilen, dass der Antrag zwar fort ist, die Genehmigung sich jedoch verzögert: „Aber wir hoffen auf das Schuljahr 2016/17.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wünsche bleiben. Und der Appell des CDU-Bildungsexperten Volker Schebesta: „Wir sollten wegkommen von den Verunsicherungen  in den vergangenen Jahren durch die Debatten um die Schulstrukturen. Wichtiger ist es,  über die Unterrichtsinhalte und gute, qualifizierte Lehrer unsere Schüler so ausbilden, dass sie den Anforderungen gerecht werden.“

Oder wie es der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Johannes Grimm zu Beginn der zweistündigen Diskussionsveranstaltung ausgedrückt hatte: „Hardware und software fallen zu sehr auseinander.“   

Hatten bei der ersten Auflage der Reihe „Schramberg im Wandel – Zukunft gestalten“ sichtbare Mängel im Stadtbild für Aufsehen gesorgt, so ist der Erfolg der Bildungspolitik nicht unbedingt auf den ersten Blick zu sehen. Wie wichtig der gesamte Bereich ist, zeigte den Christdemokraten der gute Besuch der Veranstaltung und die intensive Diskussion über die gesamte Bandbreite schulischer Bildung auf dem Hintergrund dessen, dass die Zukunft einer Stadt wie Schramberg (Johannes Grimm: „Wir sind ländlicher Raum, wie es ländlicher gar nicht geht.“) in dieser Region gerade auch von ihrem schulischen Angebot abhängt.

Und auch deshalb wurde nach dem Ende der offiziellen Veranstaltung in einzelnen Gruppen noch lange aus ausgiebig – bei Kaffee, Wasser und Butterbrezel weiterdiskutiert: beispielsweise darüber, wie Schramberg im schulischen Wettbewerb bestehen kann und welche landespolitischen Entwicklungen zu erwarten sind.

Oder wie CDU-Fraktionssprecher Clemens Maurer (nicht nur) sein Anliegen in seinem Diskussionsbeitrag kurz und prägnant formuliert hatte: „Ich will in unser aller Interesse, dass das derzeitige Bildungschaos bald ein Ende findet.“