Religionsfreiheit als zentrales Menschenrecht
Den Abend wird keiner der knapp hundert Besucher in der Alten Kirche in Fluorn-Winzeln so schnell vergessen.
Denn wie der frühere Bundestagsabgeordnete und langjährige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder in seinem Vortrag über Christenverfolgung redete und die Religionsfreiheit als ein zentrales Menschenrecht, das in vielen Ländern der Welt massivst verletzt wird, sprach, konnte er authentisch berichten aus seinen zahlreichen Besuchen und Gesprächen in den verschiedenen Ländern, in denen Christen aus je unterschiedlichen Gründen verfolgt werden. in den 2 1/2 Stunden seines Vortrags samt Diskussion faszinierte der CDU-Politiker, der nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik einen Lehrauftrag an einer Hochschule in Gießen innehat, durch die Grundlegung seiner Überzeugung, dass jeder Mensch, als Ebenbild Gottes, die gleiche Würde hat. Jeder Mensch. Mit dieser unumstößlichen Erkenntnis, die er als evangelischer Christ („und nahe beim Katholizismus“) bekennt, setzt er sich seit Jahren für die Glaubensfreiheit ein. Der Respekt vor dem Menschen, das war und ist Richtschnur seines Denkens und Handelns. An einzelnen Beispielen beschrieb er, was geschieht, wenn Nationalismus und Religion miteinander verflochten sind: wie in Indien, wo der dortige Ministerpräsident Modi sagt, nur ein Hindu sei ein guter Inder. Mit allen Konsequenzen für Christen. Oder wenn wie in China alles der kommunistischen Partei untergeordnet wird.
Es war keine leichte Kost, die Volker Kauder den Teilnehmern zukommen ließ: aber doch eine tröstliche. So wenn er sagte, wie gerade in den Ländern, in denen Christen verfolgt, bedrängt, getötet (so in Nigeria) werden, gerade da sieht er Zeichen der Ermutigung. Denn, so seine Erkenntnis: „Der transzendentale Kompass ist jedem Menschen inne.“ Unvergessen für ihn die Aussage des koptischen Papstes in Ägypten: „Beten Sie für uns, dass wir in der Bedrängnis bestehen.“
Atemlose Stille in der Alten Kirche in Winzeln. In einer Veranstaltung, zu dessen Beginn Volker Kauder sagte: „Es ist dies keine Veranstaltung zur Landtagswahl.“ Naheliegend war es dennoch, dass Volker Kauder mit dem Blick auf das C in seiner Partei auf die Wahl einging und betonte die grundlegende Bedeutung der Wahl, „gerade in dieser Zeit.“ Und, an den ebenfalls anwesenden Landtagsabgeordneten Stefan Teufel gewandt: „Er ist einer, der auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes für eine Politik mit Realitätssinn steht.“ Volker Kauder hatte sich übrigens selbst eingeladen nach Fluorn-Winzeln, auch in Erinnerung an seine Anfangszeiten als Abgeordneter des Wahlkreises. Wiederum war die Alte Kirche brechend voll. Mit Gästen aus dem ganzen Kreis. Und wenn früher die Blasmusiker aufspielten, so sorgte auf Anregung von Meinrad Löffler mit der jungen Pianistin Amelie Gaus mit ihrem Clavinova für die so sehr passende musikalische Begleitung, wie es besser und passender kaum hätte sein können. Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach, ein Werk von Joseph Haydn, und, so von ihr, der so virtuos spielenden Abiturientin angekündigt, „ein Knaller“, mit „Romeo und Julia“ der Suite von Sergej Prokofjew. Ein Genuss!
Joachim Schmid, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes führte durch einen in der Tat besonderen Abend, und dass Valerie Apitzsch sich mit einem Geschenk bei Amelie Gaus bedankte sowie Sabrina Hezel und Joachim Schmid Volker Kauder ein ganz besonderes, von Moritz Jauch gefertigtes Holzkreuz überreichten („zu deuten als Symbol des Respekts und der Freiheit“) krönte eine Veranstaltung, bei der jeder spüren konnte, worum es in diesen schwierigen Zeiten geht. Mut und Demut und Zuversicht als Impulse gerade auch jetzt.